Was im Winklerbad geschah - Rund um den Trauermarsch - Bildmaterial - Filmmaterial

Rede vom Trauermarsch 2008

Auf ein Neues freut es mich Menschen in meiner Schaumburger Heimat begrüßen zu dürfen, die das hohe Maß an Courage besitzen Zeit und Geld zu investierensich und Anfeindungen in kaufnehmen, um Opfern von Willkür, Gewalt und Mord zu gedenken. Opfern, deren einzige Schuld oftmals nur darin bestand deutsch zu sein.

Und so beschämt es mich euch, liebe Weggefährten, in einem Landkreis zu begrüßen, in dem die Regierenden aus ihrer Charackterlosigkeit und ihrem Rassismus gar kein Geheimnis machen. Während hier an diesem Ort des Grauens kein noch so kleiner Hinweis zu finden ist, darauf, dass hier ein britisches Folterlager war, baut man im nur wenige Kilometer entfernten Stadthagen ein 6 Meter hohes Mahnmal für die Juden, als ob es nicht reichte, dass man sich an dutzenden Stolpersteinen, auf denen jüdische Opfer-Daten zu lesen sind, ausheulen kann. Der Schaumburger ist hier, wie auch der Deutsche im Allgemeinen, ein Mensch, wenn überhaupt, zweiter Klasse, in und dies in seiner eigenen Heimat.

Und so erfüllt es mich wiederum gerade deshalb zu tiefst mit Stolz, hier mit Menschen zu stehen, die zum einen eine ganz andere Ansicht von Mensch und Untermensch haben, die aber auch ein anderes Verständnis vom Gedenken haben. Wir sind keine Ansammlung von Greißen, Nutznießern und beurlaubten Schülern die sich gegenseitig etwas vorjammern, nein, so etwas fänden wir würdelos, wir lassen es, weil unsere Rücken nicht krumm vom Buckeln sind, sondern unsere Brüste stolz geschwollen. Wir fordern nicht die Urenkel längst verstorbener Täter zu ewiger Buse auf, nein, wir wissen dies wäre unrecht, also lassen wir dies, weil wir weder manipulativ noch assozial sind. Wir fordern keine Millionen teuren Mahnmäler oder meterhohe Gedenkklötze, wir wollen das Gedenken in Köpfen und Herzen fundamentieren, weil dort ein Denkmal am besten steht.

Wenn man sich in Stadthagen mit der Weile immerhin schon auf einen genauen Standtpunkt für das Mahnmal gegen den so genannten rassistischen NS-Terror geeinigt hat, mitten in der Stadt, dass es auch jeder sieht, ob man nun will oder nicht, so ist der genaue Kostenrahmen ungewiss, und sogenannten Künstler streiten sich, weil es ja gar keine Ausschreibung gegeben habe für dieses Objekt, da ist das Prestisch so einfach vergeben worden.

Eine Standortfrage stellt sich für uns nicht, hier genau an dieses Gebäude, das Winkler-Bad, gehört es, so das es ein jeder sieht, der daher kommt. Die Kosten würden niemanden schrecken, sie wären gering, denn wir verzichten gern auf jeden Schick, wir wollen mit dem Leid nicht prahlen. Und wir benötigen keine Künstler, denn die Worte unseres Gedenkens, ob sie nun eingemeiselt in Stein oder eingeprägt auf einer Plakette stünden, wären einfache Worte, denn jeder soll sie verstehen und jeder würde sie verstehen, weil es Worte direkt aus der tiefe unserer aller Herzen wären.

Und wenn es dann einmal so weit ist, können wir es freudig in die Heimat rufen, durch die Barrieren der Zeit hindurch, seht ihr Ahnen, uns kümmerte es nicht eurer Alter, Geschlecht, eure Gesinnung, ihr dir ihr uns durch Blut verbunden, im schaumburgischen Bad Nenndorf haben wir euch ein Mahl gesetzt und es ist Sinnbild für euch alle, ob man euch im Osten vergewaltigte, im Westen erschoss, im Süden zerbombte oder im Norden zu Tode quälte.

Und bis zu diesem Tag, an dem die schlaffende Heimat zu erwachen beginnt, der wohl zu den stolzesten in meinem Leben gehören wird, mit festen Schritt auf auf die Straßen Bad Nenndorfs für ein aufrichtiges Gedenken und ein freies und ehrbares Deutschland und Europa.

Vielen Dank, Heil euch.


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